Ausschreibung
Ausschreibungstext für Akustikdecken und Absorber: was in die Position gehört
Ein Ausschreibungstext für Akustikdecken nennt prüfbare Werte statt eines Produktnamens. Dazu gehören die Fläche je Raum und der Schallabsorptionsgrad je Oktavband von 125 bis 4000 Hz. Hinzu kommen αw und Absorberklasse nach DIN EN ISO 11654. Dazu gehören auch der Prüfbericht nach DIN EN ISO 354 mit Montageart und Abhängehöhe, die Brandklasse, Reinigung und Farbe. Zuletzt steht dort, wie abgenommen wird.
Camber Acoustics, Ingenieurbüro für Raum- und Bauakustik · Stand 7. Oktober 2026
Was gehört in den Ausschreibungstext für eine Akustikdecke?
- Die Fläche je Raum in m², aus dem Nachweis und dem Deckenspiegel.
- Der praktische Schallabsorptionsgrad αp als Mindestwert je Oktavband von 125 bis 4000 Hz.
- Der bewertete Schallabsorptionsgrad αw und die Absorberklasse nach DIN EN ISO 11654, als zusätzliche Angabe.
- Die Prüfung nach DIN EN ISO 354, mit Montageart und Abhängehöhe passend zum Einbau.
- Das Brandverhalten nach DIN EN 13501-1, laut Brandschutzkonzept.
- Reinigung, Oberfläche und Farbe.
- Die Nachweise, die mit dem Angebot kommen, und die Abnahme.
Camber Acoustics schreibt diese Positionen als Teil der Planungsbegleitung. Die Werte je Band kommen aus dem Nachweis für jeden Raum. Ein Produktname steht nicht darin.
Absorberklasse und αw: warum der Einzahlwert nicht reicht
Im Hallraum wird der Schallabsorptionsgrad αs in Terzen gemessen. Daraus entstehen Werte je Oktave von 125 bis 4000 Hz, der praktische Schallabsorptionsgrad αp. Er ist auf höchstens 1 begrenzt. Aus diesen Werten wird ein Einzahlwert gebildet, der bewertete Schallabsorptionsgrad αw. Er bestimmt die Absorberklasse. Klasse A steht für αw von 0,90 bis 1,00, Klasse B für 0,80 und 0,85.
Für die Planung taugt αw nicht. Das Band 125 Hz geht in die Bewertung nicht ein. In der Tabelle unten entscheidet genau dieses Band. Zwei Decken derselben Klasse können deshalb im selben Raum verschieden wirken.
| Kennwert | Decke 1 | Decke 2 |
|---|---|---|
| αw und Absorberklasse | 0,90, Klasse A | 0,95, Klasse A |
| αp bei 125 Hz | 0,40 | 0,15 |
| αp bei 250 Hz | 0,75 | 0,70 |
| Nachhallzeit bei 125 Hz | 0,74 s | 1,02 s |
| Nachhallzeit bei 250 Hz | 0,60 s | 0,63 s |
| Nachhallzeit bei 500 Hz | 0,53 s | 0,51 s |
| DIN 18041, Raumgruppe A3 | erfüllt | bei 125 Hz nicht erfüllt |
Klassenraum 9,0 x 7,0 x 3,2 m mit 201,6 m³, je 48 m² Decke, gerechnet nach Sabine mit 80 % Besetzung. Soll 0,57 s, bei 125 Hz zulässig bis 0,83 s. Beide Decken sind gedachte Beispiele ohne Produkt.
Decke 2 hat den höheren Einzahlwert und fällt trotzdem durch. Bei 125 Hz liegt sie über der zulässigen Grenze. Wie Sollwert und Toleranz entstehen, steht auf unserer Seite zur DIN 18041.
Prüfbericht nach DIN EN ISO 354: auf Montageart und Abhängehöhe achten
Der Prüfwert gilt nur für den Aufbau, der im Hallraum gemessen wurde. DIN EN ISO 354 beschreibt dafür mehrere Montagearten. Für abgehängte Decken gibt es eine Montageart mit Hohlraum. Die Höhe steht in der Bezeichnung: E-200 heißt 200 mm zwischen tragender Fläche und Sichtfläche.
Mehr Abstand bringt mehr Wirkung in den tiefen Tönen. Messungen des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik an Prallwänden zeigen das. Mit größerer Aufbauhöhe und mehr Wandabstand absorbiert die Konstruktion tiefe Töne deutlich besser. Ein Prüfwert mit 200 mm gilt deshalb nicht für dieselbe Platte direkt an der Rohdecke. Schreiben Sie die Abhängehöhe in die Position. Verlangen Sie einen Prüfbericht mit demselben Aufbau.
Brandverhalten, Reinigung, Farbe
- Brandverhalten: DIN EN 13501-1 teilt Bauprodukte in die Klassen A1 bis F. Zusatzklassen beschreiben Rauch, s1 bis s3, und brennendes Abtropfen, d0 bis d2. Welche Klasse gilt, steht im Brandschutzkonzept.
- Reinigung: trocken, feucht oder mit Desinfektion, je nach Nutzung des Raums.
- Farbe und Oberfläche: Legen Sie Farbton, Oberfläche und Kante fest. Die Beschichtung kommt aus dem Werk. Ein späterer Anstrich mindert die Wirkung poröser Absorber.
Produktneutral ausschreiben: was VOB/A und VgV verlangen
Für Bauleistungen öffentlicher Auftraggeber regelt § 7 VOB/A die Leistungsbeschreibung. Sie muss eindeutig und so erschöpfend sein, dass alle Bieter sie gleich verstehen und ihre Preise sicher berechnen können. Marken, Typen oder ein bestimmtes Fabrikat darf sie nur ausnahmsweise nennen. Lässt sich die Leistung anders nicht hinreichend genau beschreiben, gehört der Zusatz „oder gleichwertig“ dazu. Ab den EU-Schwellenwerten steht dieselbe Regel in § 7 EU VOB/A, für Liefer- und Dienstleistungen in § 31 Absatz 6 VgV.
Gleichwertigkeit prüfbar machen
Gleichwertig ist ein Produkt, wenn es jede Anforderung der Position erfüllt. Das lässt sich nur prüfen, wenn die Anforderungen als Zahlen dastehen.
- Mindestwerte αp in jedem Oktavband, nicht nur αw.
- Montageart und Abhängehöhe des Prüfaufbaus, passend zum Einbau.
- Brandklasse, Reinigung, Format und Farbe.
- Nachweise mit dem Angebot: Prüfbericht nach DIN EN ISO 354 und Klassifizierung des Brandverhaltens. § 7a VOB/A nennt den Prüfbericht einer anerkannten Stelle als geeignetes Mittel.
Bei der Bauphysik gehört nach HOAI zur Leistungsphase 7 das Mitwirken beim Prüfen und Bewerten der Angebote auf Erfüllung der Anforderungen. Wir vergleichen dafür jedes angebotene Produkt Band für Band mit der Position.
Musterbeispiel: eine Position für eine Akustikdecke
| Angabe | Beispieltext |
|---|---|
| Kurztext | Akustikdecke als abgehängte Plattendecke, Klassenraum 1.07 |
| Menge | 48 m², Fläche laut Deckenspiegel, ohne Leuchten und Randfries |
| Absorption je Oktavband | αp mindestens 0,40 bei 125 Hz, 0,75 bei 250 Hz, 0,90 bei 500, 1000 und 2000 Hz, 0,85 bei 4000 Hz |
| Einzahlwert | αw mindestens 0,90, Absorberklasse A nach DIN EN ISO 11654 |
| Prüfung | Hallraummessung nach DIN EN ISO 354, abgehängt mit Hohlraum, Montageart E-200 |
| Abhängehöhe | 200 mm von Unterkante Rohdecke bis Sichtfläche, wie im Prüfaufbau |
| Brandverhalten | Klasse nach DIN EN 13501-1 laut Brandschutzkonzept, zum Beispiel A2-s1,d0 |
| Reinigung | feucht abwischbar, ohne Verlust der Absorption laut Herstellerangabe |
| Farbe und Oberfläche | weiß nach RAL, werkseitig beschichtet, kein Anstrich auf der Baustelle |
| Nachweise mit dem Angebot | Prüfbericht nach DIN EN ISO 354, Klassifizierung des Brandverhaltens, Datenblatt |
| Angebotenes Fabrikat | vom Bieter einzutragen |
Beispielwerte für Decke 1 im Klassenraum oben. Die Mindestwerte je Band kommen aus dem Nachweis für den Raum, nicht aus einem Katalog. Für Wandabsorber und Segel gilt dasselbe Muster.
Häufige Fehler im Leistungsverzeichnis
- Nur ein Produktname: Ohne Kennwerte gibt es keinen Maßstab für Gleichwertigkeit.
- Nur αw: Im Beispiel oben fällt die Decke mit dem höheren αw bei 125 Hz durch.
- Prüfwert mit anderer Montageart: Er gilt nur für den geprüften Aufbau.
- Menge ohne Raumbezug: Der Nachweis gilt je Raum, also auch die Menge.
- Brandklasse fehlt: Sie folgt aus dem Brandschutzkonzept und gehört in jede Position.
- Keine Abnahme vereinbart: Dann fehlt nach dem Einbau der Maßstab.
Abnahme: die Akustikdecke per Messung nachweisen
Ob die Decke wirkt, zeigt die Messung im fertigen Raum. Gemessen wird die Nachhallzeit nach DIN EN ISO 3382-2 je Oktavband. Die Norm kennt ein Kurzverfahren, ein Standardverfahren und ein Präzisionsverfahren. Legen Sie vor der Vergabe fest, welches Verfahren gilt, in welchem Zustand gemessen wird und welche Grenzen je Band gelten. Wird im leeren Raum gemessen, rechnet der Planer die Grenzen vorher auf diesen Zustand um.
Die HOAI führt das messtechnische Überprüfen von Raumeigenschaften bei der Bauphysik als Besondere Leistung in Leistungsphase 8. Es ist also nicht automatisch beauftragt. Wie eine Messung abläuft, steht auf unserer Seite Nachhallzeit messen.
Häufige Fragen
- Darf im Leistungsverzeichnis ein Produktname stehen?
- Bei öffentlichen Aufträgen nur ausnahmsweise. § 7 Absatz 2 VOB/A erlaubt den Verweis auf ein Fabrikat, wenn sich die Leistung anders nicht hinreichend genau beschreiben lässt. Dann gehört der Zusatz „oder gleichwertig“ dazu. Die Kennwerte müssen trotzdem in der Position stehen. Sonst lässt sich Gleichwertigkeit nicht prüfen.
- Welche Absorberklasse braucht eine Akustikdecke?
- Das folgt aus dem Nachweis für den Raum, nicht aus einer Faustregel. Klasse A heißt αw von mindestens 0,90. Für die Ausschreibung zählen die Mindestwerte je Oktavband, vor allem bei 125 und 250 Hz. Zwei Decken der Klasse A können dort weit auseinanderliegen.
- Was ist der Unterschied zwischen αs, αp und αw?
- αs wird im Hallraum in Terzen gemessen und kann über 1 liegen. αp fasst die Werte je Oktave von 125 bis 4000 Hz zusammen und ist auf 1 begrenzt. αw ist ein Einzahlwert aus diesen Oktavwerten. Planen und ausschreiben sollten Sie mit αp je Oktave.
- Wie prüfe ich, ob ein Alternativprodukt gleichwertig ist?
- Fordern Sie den Prüfbericht nach DIN EN ISO 354. Vergleichen Sie Montageart und Abhängehöhe mit der Position, dann αp in jedem Oktavband mit den Mindestwerten. Prüfen Sie zuletzt die Klassifizierung des Brandverhaltens. Fehlt ein Wert oder passt der Prüfaufbau nicht, ist die Gleichwertigkeit nicht belegt.
- Wie wird eine Akustikdecke abgenommen?
- Am sichersten mit einer Messung der Nachhallzeit nach DIN EN ISO 3382-2 im fertigen Raum. Verfahren, Zustand des Raums und Grenzen je Oktavband gehören vor der Vergabe in die Unterlagen. Bei der Bauphysik führt die HOAI die Messung als Besondere Leistung in Leistungsphase 8.
- Gehören Akustikdecke und Wandabsorber in eine Position?
- In der Regel nicht. § 7b Absatz 4 VOB/A verlangt, dass eine Position nur gleichartige Leistungen enthält. Decke, Wandabsorber, verschiedene Abhängehöhen oder Brandklassen unterscheiden sich in Technik und Preis. Sie bekommen je eine eigene Position, mit der Menge je Raum.
Quellen
- VOB/A 2019, Abschnitt 1, §§ 7, 7a und 7b, Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
- Vergabeverordnung § 31 (Leistungsbeschreibung), Bundesministerium der Justiz
- HOAI, Anlage 1, Nummer 1.2.2: Leistungsbild Bauphysik mit Raumakustik
- DGUV Information 215-443 „Akustik im Büro“, Abschnitte 3.7 und 6.1
- Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Bericht B-BA 2/2018: Akustische Gestaltung von Sporthallen, Abschnitte 2.3 und 5.3
- Baunetz Wissen: Absorberklasse nach DIN EN ISO 11654
Planungsbegleitung
Angebot am selben Tag, nach Umfang des Projekts.
Anfrage unverbindlich und kostenlos. Wir legen die Werte je Raum fest, schreiben die Positionen ohne Produktnamen und prüfen die Angebote der Bieter. Termin vor Ort, wenn gewünscht.
Projekt anfragenWeiterlesen
- Raum- und Bauakustik nach HOAI: Leistungsphasen, Honorarzonen, Honorar
- Was kostet eine Akustikdecke? Preise je m², Kostengruppe und Fläche
- DIN 18041 einfach erklärt: Nachhallzeit, Raumgruppen, Nachweis
- Nachhallzeit messen: Verfahren nach DIN EN ISO 3382-2, Ablauf und Kosten
- Raumakustik in der Schule: Nachhallzeit für Klassenraum, Aula, Mensa und Sporthalle