Gastronomie
Raumakustik im Restaurant: Lärm senken, Gäste halten, Anforderungen für Gastraum und Kantine
Gasträume und Kantinen gehören in DIN 18041 zur Raumgruppe B3. Gefordert ist keine Nachhallzeit, sondern ein Verhältnis von äquivalenter Absorptionsfläche zu Raumvolumen von mindestens 0,20 je Meter bei Räumen bis 2,50 m Höhe. Umgerechnet entspricht das etwa 0,8 Sekunden Nachhallzeit. Unbehandelte Gasträume liegen meist unter 0,10 und damit bei 1,5 Sekunden und mehr. Für das Personal gilt zusätzlich die ASR A3.7. Gäste, die sich nicht unterhalten können, bleiben kürzer und kommen seltener wieder.
Camber Acoustics, Ingenieurbüro für Raumakustik · Stand 17. September 2026
Warum es im Restaurant laut wird
Der Mechanismus heißt Lombard-Effekt: Jeder Gast spricht so laut, dass er sein Gegenüber versteht, also 10 bis 15 Dezibel über dem Grundgeräusch. Steigt das Grundgeräusch, sprechen alle lauter, und das Grundgeräusch steigt weiter. Harte Flächen halten den Schall im Raum: Glas, Beton, Fliesen, Holztische ohne Decken. Der einzige Ausweg ist Absorption. Sie senkt den Pegel je Verdopplung der Absorptionsfläche um etwa 3 Dezibel und unterbricht die Spirale. Musik und offene Küchen kommen als Quellen dazu.
Die Anforderungen
| Raum | Regel | Anforderung | entspricht etwa |
|---|---|---|---|
| Gastraum, Restaurant, Café | DIN 18041, B3 | A/V ≥ 0,20 1/m bis 2,50 m Höhe | 0,8 s Nachhallzeit |
| Kantine, Betriebsrestaurant | DIN 18041, B3 | A/V ≥ 0,20 1/m | 0,8 s |
| Speiseraum in Schule, Kita, Klinik | DIN 18041, B5 | A/V ≥ 0,30 1/m | 0,55 s |
| Gastraum als Arbeitsplatz des Personals | ASR A3.7, 5.2.3 | mittlerer Schallabsorptionsgrad ᾱ ≥ 0,3 im eingerichteten Raum | je nach Raum |
| Bar, Club, Veranstaltungsraum | DIN 18041 nur für Sprache | Absorption gegen den Pegel; Beschallung und Lärmschutz nach außen gesondert | je nach Nutzung |
Bei höheren Räumen sinkt der A/V-Mindestwert nach der Formel der Norm: bei 3 m Höhe auf 0,19, bei 4 m auf 0,17, bei 5 m auf 0,16. Nachgewiesen wird je Oktavband von 250 bis 2000 Hz. Die Umrechnung in eine Nachhallzeit nach Sabine dient nur der Anschauung.
Beispiel: Gastraum mit 120 m²
Ein Gastraum mit 120 m² und 3,20 m Höhe hat 384 m³. Der Mindestwert für B3 liegt bei dieser Höhe bei 0,18 je Meter, also 70 m² äquivalenter Absorptionsfläche. Polsterbänke, Vorhänge und die Gäste bringen davon einen Teil, im vollen Raum vielleicht 25 bis 30 m². Der Rest, rund 40 bis 45 m², muss aus Absorbern kommen. Bei einem Deckenabsorber der Klasse A sind das etwa 45 bis 50 m² Fläche, gut 40 Prozent der Decke. Reicht die Decke nicht, weil Leuchten, Lüftung oder Sichtbeton im Weg sind, kommen Wandabsorber und Deckensegel dazu. Das Gutachten rechnet das je Oktavband durch, denn Stimmen und Geschirr liegen in unterschiedlichen Bändern.
Maßnahmen, die im Gastraum funktionieren
- Decke zuerst: Sie ist die größte freie Fläche. Akustikputz, Mineralfaser- oder Holzwolleplatten, Segel oder Baffeln, je nach Gestaltung und Technik.
- Wände über Tischhöhe: Absorber an den Längswänden brechen die Reflexionen zwischen den Tischen. Stoffbespannte Paneele, Holzlamellen mit Vlies, Akustikbilder mit belegtem Absorptionsgrad.
- Zonen: Nischen, Raumteiler und hohe Polsterrücken trennen Tischgruppen akustisch und senken den Pegel spürbar, ohne den Raum kleiner wirken zu lassen.
- Hygiene und Brandschutz: In Küchennähe sind abwischbare oder gelochte Oberflächen besser als offenporige, denn poröse Absorber setzen sich mit Fett zu. Für Versammlungsräume gelten Anforderungen an das Brandverhalten der Materialien.
- Was nicht reicht: ein paar Akustikbilder, Filz an einer Wand, Pflanzen. Die Fläche entscheidet, und sie muss belegt sein.
Was das Personal schützt
Der Gastraum ist Arbeitsstätte für Service und Küche. Die ASR A3.7 verlangt für Arbeitsräume mit Sprachkommunikation, dazu zählt sie Kantinen ausdrücklich, einen mittleren Schallabsorptionsgrad von mindestens 0,3 im eingerichteten Raum. Bei Beschwerden über Halligkeit muss der Arbeitgeber ermitteln. Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe stellt dafür einen Leitfaden bereit, der mit dem A/V-Verhältnis der DIN 18041 arbeitet. Ein Gutachten weist beides nach: die Anforderung an den Gastraum und die an den Arbeitsplatz.
Der Nachweis
Für jeden Raum: Einstufung, Mindest-A/V mit Höhenkorrektur, vorhandene Absorptionsfläche je Oktavband aus Oberflächen, Einrichtung und Besetzung, Fehlmenge, Maßnahmen mit Flächen und Platzierung, Nachweis. Ein Gastraum kostet bei Camber Acoustics 700 € netto zum Festpreis, Gastraum, Bar und Nebenraum 1.300 €, in unter sieben Tagen aus Grundriss und Fotos.
Häufige Fragen
- Gibt es eine vorgeschriebene Nachhallzeit für Restaurants?
- Keine direkte. DIN 18041 verlangt für Gasträume und Kantinen (Raumgruppe B3) ein Verhältnis von Absorptionsfläche zu Volumen von mindestens 0,20 je Meter bei Räumen bis 2,50 m Höhe. Das entspricht etwa 0,8 Sekunden Nachhallzeit. Für das Personal gilt die ASR A3.7.
- Wie viel Absorberfläche braucht ein Gastraum?
- Als Faustwert 40 bis 60 Prozent der Deckenfläche in Absorberklasse A oder B, wenn sonst wenig absorbiert. Der genaue Wert hängt von Höhe, Einrichtung und Besetzung ab und steht je Oktavband im Gutachten.
- Muss ich für das Gutachten den Betrieb schließen?
- Nein. Wir arbeiten aus Grundriss, Fotos und Angaben zu Oberflächen und Einrichtung. Für das Gutachten gibt es keinen Termin vor Ort. Eine Messung, etwa nach dem Umbau, bieten wir auf Wunsch zusätzlich an.
- Hilft Musik gegen den Lärm?
- Nein. Sie erhöht das Grundgeräusch, und die Gäste sprechen noch lauter. Erst mit Absorption wird der Raum leise genug, dass leise Musik überhaupt wirken kann.
- Was ist mit Lärmschutz gegenüber Nachbarn?
- Das ist eine andere Aufgabe: Schallschutz nach außen und zwischen Räumen nach DIN 4109 und die Immissionsrichtwerte der TA Lärm. Das Raumakustik-Gutachten senkt den Pegel im Raum, was auch nach außen hilft, ersetzt aber keinen Immissionsnachweis.
Quellen
Gutachten zum Festpreis
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