Besprechungsraum

Der Besprechungsraum hallt: Ursachen, Sollwert und was im Videocall hilft

Ein Besprechungsraum hallt, weil Glas, Beton, Tisch und Bildschirm den Schall fast vollständig zurückwerfen. Am meisten bringt absorbierende Fläche an der Decke und an der Wand gegenüber der Kamera. Ein Raum mit 25 m² und 3 m Höhe soll nach DIN 18041, Raumgruppe A3, eine Nachhallzeit von 0,43 Sekunden haben. Für Videokonferenzen ist ein niedrigerer Wert günstig.

Camber Acoustics, Ingenieurbüro für Raum- und Bauakustik · Stand 7. Oktober 2026

Warum hallt der Besprechungsraum?

Harte, glatte Flächen werfen Schall fast vollständig zurück. Typisch im Besprechungsraum sind Glaswand, Fensterfront, Sichtbetondecke, ein großer Tisch, ein Bildschirm. Nach der DGUV Information 215-443 nimmt ein Fenster bei 500 Hz 11 Prozent der Schallenergie auf, Beton 3 Prozent. Der Rest bleibt im Raum und klingt nach.

Videokonferenz hallt: warum das Mikrofon mehr Raum hört

Das Gehör trennt die Stimme zum Teil vom Nachhall. Ein Mikrofon kann das nicht. Es nimmt Stimme und Raum zusammen auf. Je weiter jemand vom Mikrofon sitzt, desto mehr Raum und desto weniger Stimme hört die Gegenseite. Nach der DGUV Information 215-443 kann für Videokonferenzen eine niedrigere Nachhallzeit günstig sein.

Dazu kommt die Besetzung. Im Videocall sitzen oft nur zwei oder drei Personen im Raum. Jede fehlende Person fehlt auch als Absorber. Sitzen im Beispielraum unten zwei statt sechs Personen, steigt die Nachhallzeit bei 500 Hz von 1,31 auf 1,65 Sekunden.

Welche Nachhallzeit braucht ein Besprechungsraum?

Die ASR A3.7 nennt Höchstwerte für Büros und Callcenter. Für Besprechungsräume nennt sie keinen. DIN 18041 zählt Konferenzräume zur Gruppe A, also zu Räumen für gutes Hören über mittlere und größere Entfernungen. Die DGUV Information 215-443 vergleicht den Konferenzraum mit einem Raum in einer Bildungsstätte. Ausgelegt wird deshalb nach Raumgruppe A3 „Unterricht/Kommunikation“. A4 ist die strengere Stufe, etwa für Personen mit Hörminderung oder Gespräche in einer Fremdsprache. Camber Acoustics legt Besprechungsräume nach A3 aus. Für Räume, die vor allem Videokonferenzen dienen, rechnen wir auf Wunsch auch gegen A4.

RaumVolumenSoll A3Soll A4Absorptionsfläche A3 / A4
15 m², 2,8 m hoch42 m³0,35 s0,28 s19 m² / 24 m²
25 m², 3 m hoch75 m³0,43 s0,35 s28 m² / 35 m²
60 m², 3 m hoch180 m³0,55 s0,45 s53 m² / 65 m²
100 m², 3,5 m hoch350 m³0,64 s0,52 s88 m² / 109 m²

Nach den Formeln der DIN 18041 für den zu 80 Prozent besetzten Raum, gerundet. Erlaubt sind zwischen 250 und 2000 Hz 80 bis 120 Prozent des Sollwerts. Absorptionsfläche: äquivalente Fläche bei 500 Hz, also Fläche mal Absorptionsgrad. Personen, Boden und Möbel liefern davon einen Teil.

Beispiel: Besprechungsraum mit 25 m², Glaswand und Fensterfront

Der Raum misst 5 mal 5 Meter bei 3 Meter Höhe, also 75 m³. Eine Seite ist Glaswand zum Flur, gegenüber liegen 10 m² Fenster. Decke und übrige Wände sind Beton, der Boden hat Teppich. 6 von 8 Plätzen sind besetzt. Bei 500 Hz hat der Raum rund 9 m² äquivalente Absorptionsfläche. Für A3 braucht er rund 28 m².

Zustand125 Hz250 Hz500 Hz1000 Hz2000 Hz
Ist: Betondecke, Teppich, 25 m² Glas1,25 s1,29 s1,31 s1,01 s0,81 s
20 m² Akustikdecke0,63 s0,55 s0,54 s0,50 s0,47 s
Dazu 8 m² Absorber an der Rückwand0,61 s0,50 s0,44 s0,40 s0,38 s
Statt Decke: 20 m² Schaumstoffpaneele an den Wänden1,04 s0,80 s0,56 s0,43 s0,39 s

Erlaubt nach A3: 0,34 bis 0,52 s von 250 bis 2000 Hz, bei 125 Hz bis 0,62 s. Nach A4: 0,28 bis 0,42 s von 250 bis 2000 Hz. Gerechnet nach Sabine, Absorptionsgrade nach DGUV Information 215-443, Tabelle 3, Glaswand und Fenster mit dem Wert für Fenster, Personen nach den Rechengrundlagen von Camber Acoustics. Ein Flatterecho zeigt die Rechnung nicht.

Die Akustikdecke allein reicht nicht. Bei 125, 250 und 500 Hz bleibt der Raum über dem Toleranzband von A3. Mit 8 m² an der Rückwand liegt er in allen Oktavbändern im Toleranzband, bei 125 Hz knapp. Für A4 fehlt Absorption vor allem zwischen 125 und 500 Hz. Dafür braucht es dickere Absorber oder mehr Luftraum über der Decke. Die Schaumstoffpaneele ohne Decke zeigen einen typischen Fehler: Bei 250 Hz hallt der Raum mit 0,80 Sekunden weiter.

Akustik im Besprechungsraum verbessern: welche Flächen am meisten bringen

Ein Absorber ersetzt die Fläche, vor der er hängt. Eine Akustikdecke mit 0,70 bei 500 Hz bringt auf 20 m² Betondecke rund 13 m² äquivalente Absorptionsfläche dazu. Mehr dazu auf der Seite Raumakustik verbessern.

Glas im Besprechungsraum: was hilft, ohne die Sicht zu nehmen

Glaswände bleiben meist frei. Dann sitzt die Absorption an Decke und Wänden. Soll das Glas selbst wirken, nennt die DGUV Information 215-443 zwei Wege: mikroperforierte, transparente Akustikfolie oder Textilien, beides mit Abstand zur Scheibe. Ob man im Flur mithört, entscheidet dagegen der Schallschutz von Glaswand und Tür. Mehr dazu auf der Seite Schallschutz zwischen Räumen.

Typische Fehler bei der Akustik im Besprechungsraum

Wann sich ein Nachweis für den Besprechungsraum lohnt

Camber Acoustics rechnet Besprechungsräume nach DIN 18041 je Oktavband, aus Grundriss, Fotos und Angaben. Sie bekommen Sollwert, Ist-Zustand und Maßnahmen mit Flächen und Platzierung. Das Angebot kommt am selben Tag. Ein Termin vor Ort ist möglich, wenn gewünscht. Was ein Gutachten kostet, steht auf der Seite Kosten eines Raumakustik-Gutachtens.

Häufige Fragen

Was tun, wenn der Besprechungsraum hallt?
Zuerst die Decke, mit einer Akustikdecke oder Deckensegeln. Dann die Wand gegenüber der Kamera, meist die Rückwand. Stehen zwei harte Wände parallel, gehört an eine davon ein Absorber. Wie viel Fläche nötig ist, folgt aus Volumen und Sollwert, nicht aus einer Faustregel.
Welche Nachhallzeit sollte ein Besprechungsraum haben?
Das hängt vom Volumen ab. Nach DIN 18041, Raumgruppe A3, sind es bei 75 m³ 0,43 Sekunden, bei 180 m³ 0,55 Sekunden. Für Videokonferenzen ist nach der DGUV ein niedrigerer Wert günstig. Einen Anhalt gibt die strengere Raumgruppe A4, bei 75 m³ 0,35 Sekunden.
Warum klingt unser Raum im Videocall halliger als vor Ort?
Das Gehör blendet einen Teil des Nachhalls aus, ein Mikrofon nicht. Es nimmt Stimme und Raum zusammen auf. Je weiter jemand vom Mikrofon sitzt, desto mehr Raum hört die Gegenseite. Sitzen nur wenige Personen im Raum, fehlt außerdem ihre Absorption.
Reicht eine Akustikdecke im Besprechungsraum?
Nicht immer. Im Beispielraum mit 75 m³ senken 20 m² Akustikdecke die Nachhallzeit bei 500 Hz von 1,31 auf 0,54 Sekunden. Nach A3 sind dort höchstens 0,52 Sekunden erlaubt. Erst 8 m² Absorber an der Rückwand bringen alle Oktavbänder ins Toleranzband.
Was hilft gegen Hall bei Glaswänden im Besprechungsraum?
Meist bleibt das Glas frei, und die Absorption sitzt an Decke und Wänden. Soll das Glas selbst wirken, gibt es mikroperforierte Akustikfolie oder Vorhänge, beides mit Abstand zur Scheibe. Gegen Mithören im Flur hilft vor allem besserer Schallschutz von Glaswand und Tür.
Gilt die ASR A3.7 für Besprechungsräume?
Teilweise. Sie zählt Besprechungen in Konferenzräumen zur Tätigkeitskategorie I mit höchstens 55 dB(A) Beurteilungspegel. Für Hintergrundgeräusche empfiehlt sie dort höchstens 35 dB(A). Einen Höchstwert der Nachhallzeit nennt sie für Besprechungsräume nicht. Ausgelegt wird nach DIN 18041.

Quellen

Raumakustik-Gutachten

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