Arbeitsschutz

ASR A3.7 Lärm: Was Arbeitgeber zur Raumakustik nachweisen müssen

Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.7 „Lärm“ (Ausgabe März 2021) konkretisiert die Arbeitsstättenverordnung. Sie legt fest, welche Nachhallzeiten in Arbeitsräumen höchstens zulässig sind: 0,8 Sekunden im Einzel- und Zweierbüro, 0,6 Sekunden im Mehrpersonenbüro, 0,5 Sekunden im Callcenter, jeweils je Oktavband von 250 bis 2000 Hz im unbesetzten Raum. Für Räume in Bildungsstätten nennt sie eine eigene Sollformel, die der Raumgruppe A3 der DIN 18041 entspricht, für sonstige Arbeitsräume mit Sprachkommunikation verlangt sie einen mittleren Schallabsorptionsgrad von mindestens 0,3.

Camber Acoustics, Ingenieurbüro für Raum- und Bauakustik · Stand 7. Oktober 2026

Die Anforderungen im Überblick

RaumartAnforderungFundstelle
Einzel- und ZweierbüroT ≤ 0,8 s je Oktavband 250 bis 2000 Hz, unbesetztASR A3.7, 5.2.1
Mehrpersonen- und GroßraumbüroT ≤ 0,6 sASR A3.7, 5.2.1
CallcenterT ≤ 0,5 sASR A3.7, 5.2.1
Räume in Bildungsstätten (Kita, Schule, Hochschule)Sollwert nach eigener Formel im besetzten Raum, entspricht Raumgruppe A3 der DIN 18041ASR A3.7, 5.2.2
Sonstige Arbeitsräume mit Sprachkommunikation, etwa Empfang, Essensausgabe, Werkstattmittlerer Schallabsorptionsgrad ᾱ ≥ 0,3 im eingerichteten RaumASR A3.7, 5.2.3

Für Büros gilt nach VDI 2569 zusätzlich ein Orientierungswert von 0,4 s als Untergrenze, damit der Raum nicht überdämpft wird.

Wer nachweisen muss und wann

Verpflichtet ist der Arbeitgeber. Die Arbeitsstättenverordnung verlangt in § 3, dass er sich bei fehlender Fachkunde beraten lässt. Die ASR nennt drei Anlässe ausdrücklich: Bei Neubau und Umbau ist die Raumakustik zu planen (Abschnitt 6). Beschwerden von Beschäftigten über Halligkeit oder schlechte Verständlichkeit erfordern eine Ermittlung (Abschnitt 7 Absatz 1). Und die Ermittlung selbst darf rechnerisch erfolgen: Abschnitt 7.2 nennt die rechnerische Abschätzung der Nachhallzeit als ersten Weg, die Messung nach Abschnitt 7.3 ist die Alternative. Ein Gutachten aus Plänen folgt damit dem Weg nach Abschnitt 7.2.

Was ein Nachweis nach ASR A3.7 enthält

Wie das in Berliner Büros aussieht, vom Altbau bis zum Großraum, steht auf unserer Seite Büroakustik in Berlin.

Warum das Thema 2026 drängt

Seit 2026 müssen die Länder nach § 21 Absatz 1a Arbeitsschutzgesetz jährlich mindestens fünf Prozent der Betriebe besichtigen. Raumakustik ist dabei ein Punkt, den Aufsicht und Unfallversicherung mit einem Blick in die Gefährdungsbeurteilung prüfen.

Beispiel: vom Höchstwert zur Fläche

Ein Großraumbüro mit 30 Arbeitsplätzen, 300 m² und 3 m Höhe hat 900 m³. Der Höchstwert ist 0,6 Sekunden. Nach Sabine braucht der Raum je Oktavband mindestens 0,163 · 900 / 0,6 = 245 m² äquivalente Absorptionsfläche. Teppich, Polsterstühle und Schirme bringen bei 500 Hz vielleicht 60 m². Die Decke muss den Rest liefern: rund 185 m² äquivalent, bei einem Absorber der Klasse A etwa 205 m² Fläche, gut zwei Drittel der Decke. Bei 250 Hz sieht die Rechnung anders aus, weil Teppich und dünne Absorber dort weniger wirken. Deshalb gilt der Nachweis je Band.

Wo der Nachweis hingehört

Die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz ist der Ort. Dort dokumentiert der Arbeitgeber, welche Räume er wie beurteilt hat, mit welchem Ergebnis und welchen Maßnahmen. Das Gutachten ist die Anlage dazu. Prüfen können die Arbeitsschutzbehörde des Landes und der Unfallversicherungsträger. Beide fragen bei Begehungen zuerst nach der Dokumentation.

Gefährdungsbeurteilung Lärm: so gehen Sie vor

Den Weg beschreibt die ASR A3.7 in den Abschnitten 6 bis 8. Für Raumakustik und Lärm lässt er sich in acht Schritte fassen:

Welche Pegel je Tätigkeit zulässig sind und was zum Beurteilungspegel zählt, steht auf unserer Seite zu den Lärmgrenzwerten im Büro.

Camber Acoustics übernimmt den Schritt Raumakustik: Nachhallzeit je Oktavband aus Plänen und Fotos, Maßnahmen mit Mengen und den rechnerischen Nachweis, dass sie reichen. Das Ergebnis ist die Anlage zur Gefährdungsbeurteilung. Messungen vor Ort bieten wir gesondert an.

Was die ASR A3.7 nicht regelt

Häufige Fragen

Muss ich als Arbeitgeber die Nachhallzeit messen lassen?
Nein. ASR A3.7 nennt in Abschnitt 7.2 die rechnerische Abschätzung als ersten Weg. Eine Messung nach 7.3 ist die Alternative, keine Pflicht. Ein Gutachten aus Plänen, Fotos und Angaben erfüllt die Anforderung.
Welche Nachhallzeit gilt im Großraumbüro?
Höchstens 0,6 Sekunden, je Oktavband von 250 bis 2000 Hz, gemessen oder berechnet im unbesetzten, aber eingerichteten Raum. Im Einzel- und Zweierbüro sind es 0,8 Sekunden, im Callcenter 0,5 Sekunden.
Gilt die ASR A3.7 auch für Kitas?
Ja, Kitas sind Arbeitsstätten. Für Räume in Bildungsstätten nennt Abschnitt 5.2.2 eine eigene Sollformel für den besetzten Raum. Sie entspricht der Raumgruppe A3 der DIN 18041. Gruppenräume werden nach A3 oder, mit erhöhtem Anspruch, A4 ausgelegt.
Was passiert, wenn Beschäftigte sich über Halligkeit beschweren?
Dann verlangt Abschnitt 7 Absatz 1 der ASR eine Ermittlung. Praktisch heißt das: Nachhallzeit rechnerisch bestimmen, mit dem Höchstwert vergleichen, bei Überschreitung Maßnahmen festlegen und dokumentieren.
Gilt die ASR A3.7 im Homeoffice?
Die Arbeitsstättenverordnung erfasst Telearbeitsplätze nur begrenzt, die Raumakustik der Wohnung gehört nicht dazu. Für Büros, Callcenter, Werkstätten, Kitas und Schulen gilt sie voll.
Wer kontrolliert die Einhaltung?
Die Arbeitsschutzbehörden der Länder und die Unfallversicherungsträger. Seit 2026 gilt für die Länder eine Mindestbesichtigungsquote von fünf Prozent der Betriebe je Jahr.
Wie mache ich eine Gefährdungsbeurteilung zu Lärm?
Der einfache Weg ist eine Begehung: Zwei Personen prüfen unabhängig voneinander, ob der Raum hallt und ob Lärm stört. Lässt sich das nicht sicher ausschließen, folgen Maßnahmen oder genauere Ermittlungen: Nachhallzeit abschätzen oder messen, bei Bedarf den Pegel. Danach kommt die Wirksamkeitskontrolle. So steht es in Abschnitt 7 der ASR A3.7. Dokumentiert wird nach § 3 ArbStättV.

Quellen

Raumakustik-Gutachten

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