Maßnahmen
Raumakustik verbessern: welche Maßnahmen wirken und wie viel Fläche nötig ist
Ein Raum hallt, wenn zu wenig Fläche den Schall schluckt. Beton, Putz, Glas und Parkett werfen ihn fast vollständig zurück. Möbel allein ändern daran wenig. Es hilft absorbierende Fläche, und es kommt darauf an, wo sie hängt: zuerst an der Decke über der genutzten Zone, dann an den Wänden in Kopfhöhe. Wie viel nötig ist, folgt aus Raumvolumen, Raumhöhe und Zielwert, nicht aus einer Prozentregel. Ein Wohnzimmer mit 52 m³ liegt leer bei 2,53 Sekunden im Oktavband 500 Hz. Teppich, ein schwerer Vorhang und 8 m² Deckensegel bringen es auf 0,79 Sekunden.
Camber Acoustics, Ingenieurbüro für Raumakustik · Stand 17. September 2026
Warum ein Raum hallt
Schall wird an harten, glatten Flächen fast vollständig zurückgeworfen. Er läuft weiter, bis ihn etwas in Wärme umwandelt. Dafür braucht es poröses Material mit offenen Poren. Beton nimmt im Oktavband 250 Hz 2 Prozent der auftreffenden Schallenergie auf, eine Akustikdecke 65 Prozent. Es zählt die Summe aus Fläche mal Absorptionsgrad im Verhältnis zum Raumvolumen, nicht die Zahl der Möbel. Deshalb hallen leere Neubauten, Räume mit großer Fensterfront und offene Grundrisse am stärksten.
So hören Sie, wie hallig Ihr Raum ist
Klatschen Sie einmal kräftig in die Hände und achten Sie auf das Nachklingen. Ein schnelles Flattern danach ist ein Flatterecho. Es entsteht zwischen zwei parallelen harten Wänden. Nehmen Sie danach eine Sprachnotiz auf und hören Sie sie ab. Eine Pegel-App ersetzt das nicht. Sie misst die Lautstärke in Dezibel, nicht die Nachhallzeit. Gemessen wird die Nachhallzeit nach DIN EN ISO 3382-2.
Was wirkt, und in welcher Reihenfolge
Es zählt die Fläche, nicht die Stückzahl. Die Rangfolge nach freier Fläche und Verteilung:
- Die Quelle selbst: Die ASR A3.7 nennt in Abschnitt 8.1 die Minderung an der Quelle vor den raumakustischen Maßnahmen.
- Decke über der genutzten Zone: Dort ist am meisten Fläche frei, und die Fläche liegt über allen Plätzen.
- Wände in Kopfhöhe: Dort läuft der Schall zwischen parallelen Flächen hin und her. Fläche an der Wand verteilt die Absorption außerdem über die Raumrichtungen.
- Schwere Textilien mit Abstand zur Wand: Stoffgewicht, Faltenwurf und Wandabstand entscheiden. Ein leichter Vorhang glatt an der Wand erreicht bei 250 Hz 0,15, ein schwerer geraffter 0,35.
- Streukörper zuletzt: Sie verteilen den Schall. Ein gefülltes Bücherregal schluckt dabei auch, eine glatte Struktur an der Wand kaum.
Ein Absorber vor einer Wand ersetzt diese Wandfläche, er kommt nicht hinzu. Es zählt die Differenz zwischen altem und neuem Absorptionsgrad, nicht die Stückzahl der Paneele.
| Fläche oder Maßnahme | 125 Hz | 250 Hz | 1000 Hz | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Beton, unverputzt | 0,02 | 0,02 | 0,04 | DGUV Information 215-443, Tab. 3 |
| Glattputz | 0,02 | 0,02 | 0,03 | Rechengrundlagen von Camber Acoustics |
| Isolierverglasung | 0,28 | 0,20 | 0,06 | DGUV Information 215-443, Tab. 3 |
| Teppichboden, Flor 7 bis 10 mm | 0,04 | 0,07 | 0,30 | Rechengrundlagen von Camber Acoustics |
| Vorhang, leicht und glatt an der Wand | 0,05 | 0,15 | 0,35 | Rechengrundlagen von Camber Acoustics |
| Vorhang, schwer und gerafft | 0,14 | 0,35 | 0,72 | Rechengrundlagen von Camber Acoustics |
| Melaminharz-Schaumstoff | 0,12 | 0,31 | 0,86 | DGUV Information 215-443, Tab. 3 |
| Holzwolle-Leichtbauplatte auf der Wand | 0,08 | 0,17 | 0,71 | DGUV Information 215-443, Tab. 3 |
| Akustik-Deckensegel | 0,15 | 0,40 | 0,66 | DGUV Information 215-443, Tab. 3 |
| Akustikdecke | 0,50 | 0,65 | 0,65 | DGUV Information 215-443, Tab. 3 |
| Stellwand oder Aufsatzschirm | 0,11 | 0,36 | 0,95 | DGUV Information 215-443, Tab. 3 |
Der Absorptionsgrad ist eine frequenzabhängige Materialkenngröße und liegt zwischen 0 und 1. Hallraummessungen liefern gelegentlich Werte etwas über 1, ein Effekt des Messverfahrens. In der Rechnung wird höchstens 1 angesetzt. Es sind Tabellenwerte, keine Produktangaben, und sie gelten nur für den jeweiligen Aufbau. Dicke und Wandabstand verändern sie stark. Die Spalte 125 Hz zeigt, was gegen die tiefen Töne übrig bleibt.
Wie viel Fläche ein Raum braucht
Die äquivalente Absorptionsfläche A ist die Summe aus Fläche mal Absorptionsgrad über alle Oberflächen, je Oktavband gerechnet. Für eine gewünschte Nachhallzeit T gilt A = 0,163 · V / T, mit V als Raumvolumen in Kubikmetern. In großen Räumen kommt die Luftabsorption dazu, dann gilt A = 0,163 · V / T − 4 · m · V. Auf die Grundfläche bezogen heißt das: A je Quadratmeter Boden = 0,163 · Raumhöhe / T. Eine feste Prozentregel, etwa 20 Prozent der Raumfläche, kann deshalb nicht stimmen. Sie kennt weder die Höhe noch den Zielwert.
| Raumhöhe | Zielwert | Nötige äquivalente Absorptionsfläche je m² Boden |
|---|---|---|
| 2,5 m | 0,8 s | 0,51 m² |
| 2,5 m | 0,6 s | 0,68 m² |
| 3,0 m | 0,6 s | 0,82 m² |
| 3,5 m | 0,6 s | 0,95 m² |
| 4,0 m | 0,5 s | 1,30 m² |
Gerechnet als 0,163 · Raumhöhe / Zielwert. Derselbe Zielwert braucht in einem hohen Raum mehr Fläche. Boden, Fenster, Türen, Möbel und Textilien liefern schon einen Teil, der wird abgezogen. Der Rest geteilt durch die Differenz aus neuem und altem Absorptionsgrad ergibt die Fläche, die dazukommt. Sie ist größer als die fehlende äquivalente Fläche, weil kein Absorber den Wert 1 erreicht.
Beispiel Wohnzimmer, 5 x 4 x 2,6 m
Der Raum hat 52 m³ Volumen und rund 87 m² Oberfläche. Angesetzt sind 20 m² Parkett, 20 m² Glattputz an der Decke, 42,8 m² Glattputz an den Wänden, 2 m² Isolierverglasung und 2 m² Holztür, unbesetzt. Der Teppich ersetzt 6 m² Parkett, der Vorhang 5 m² Putz, die Deckensegel 8 m² Putz an der Decke. Für Wohnräume gibt es keinen Normwert, DIN 18041 führt sie nicht auf.
| Zustand | 125 Hz | 250 Hz | 500 Hz | 1000 Hz |
|---|---|---|---|---|
| Leer | 2,99 s | 3,16 s | 2,53 s | 2,40 s |
| Nur 6 m² Teppich | 2,99 s | 2,97 s | 2,18 s | 1,70 s |
| Teppich und 5 m² leichter Vorhang | 2,84 s | 2,42 s | 1,70 s | 1,29 s |
| Teppich und 5 m² schwerer Vorhang | 2,47 s | 1,88 s | 1,31 s | 1,01 s |
| Zusätzlich 8 m² Deckensegel | 1,89 s | 1,12 s | 0,79 s | 0,63 s |
52 m³, unbesetzt, gerechnet nach Sabine mit den Absorptionsgraden der Tabelle oben. Zur Einordnung: Im Einzelbüro sind nach ASR A3.7 höchstens 0,8 Sekunden zulässig. In einem Raum dieser Größe ist die Rechnung bei 125 und 250 Hz nur eine grobe Schätzung, eine Messung kann dort abweichen.
Beispiel Mehrpersonenbüro, 8 x 6 x 3 m
Der Raum hat 144 m³. Angesetzt sind 48 m² Teppichboden, 48 m² Betondecke, 72 m² Glattputz, 10 m² Fensterband, 2 m² Tür, dazu 8 Arbeitsplätze und 8 Polsterstühle. Die ASR A3.7 verlangt in Abschnitt 7.2, die Einrichtung mitzurechnen. So liegt der Raum bei 2,24 Sekunden im Oktavband 250 Hz, zulässig sind 0,6. Eine Akustikdecke über die volle Fläche von 48 m² erreicht 0,58 Sekunden. Die Reserve im tiefsten bewerteten Band beträgt 0,02 Sekunden.
| Zustand | 125 Hz | 250 Hz | 500 Hz | 1000 Hz |
|---|---|---|---|---|
| Ist: Teppich, Betondecke, Putzwände | 2,74 s | 2,24 s | 1,53 s | 0,99 s |
| 48 m² Akustikdecke | 0,74 s | 0,58 s | 0,49 s | 0,44 s |
| Zusätzlich 12 m² Absorber an den Wänden | 0,73 s | 0,55 s | 0,42 s | 0,38 s |
144 m³, unbesetzt, mit Einrichtung gerechnet, nach Sabine. ASR A3.7 Abschnitt 5.2.1 erlaubt im Mehrpersonen- und Großraumbüro höchstens 0,6 Sekunden je Oktavband von 250 bis 2000 Hz. Das Band 125 Hz wird nicht bewertet. Im Nachhallfeld sinkt der Schalldruckpegel zwischen erster und dritter Zeile um 5,7 Dezibel bei 500 Hz, gerechnet als 10 · lg aus dem Verhältnis der Absorptionsflächen. Nahe der Quelle ist der Gewinn kleiner.
Warum die tiefen Töne der Engpass sind
Ein poröser Absorber wirkt erst, wenn seine Dicke im Verhältnis zur Wellenlänge steht. Direkt an der harten Wand steht die Luft still. Ein Viertel der Wellenlänge davor bewegt sie sich am stärksten. Bei 2000 Hz liegt dieses Viertel bei 43 mm, bei 125 Hz bei 686 mm. Deshalb erreicht ein Melaminharz-Schaumstoff bei 1000 Hz 0,86 und bei 125 Hz 0,12. Gegen die Tiefen hilft mehr Dicke, Abstand zur Wand oder ein Resonanzabsorber.
Hall und Dröhnen sind zwei Dinge. Dröhnen kommt von stehenden Wellen zwischen gegenüberliegenden Flächen. Ihr Abstand bestimmt die Frequenz, bei 4 m Wandabstand liegt die tiefste bei rund 43 Hz. Dagegen hilft keine dünne Fläche, sondern Dicke, Wandabstand oder ein Absorber in der Raumecke. Die Rechnung nach Sabine sagt über diesen Bereich nichts.
Wohin die Absorber gehören
Sitzt die ganze Absorption in der Decke, läuft der Schall weiter zwischen den Wänden. Es bleiben Flatterechos. DIN 18041 knüpft die einfache Rechnung an eine Bedingung: Der mittlere Absorptionsgrad soll sich zwischen den drei Raumrichtungen um nicht mehr als den Faktor 3 unterscheiden, vor allem in Räumen ohne genügend streuende Objekte. Im Büro oben liegt die vollflächige Akustikdecke bei 1000 Hz bei Faktor 14. Mit 6 m² an jedem der beiden Wandpaare sinkt er auf 4. Sitzt die Absorption fast nur in der Unterdecke, liegt die gemessene Nachhallzeit oft über der berechneten.
Die erste Reflexion einer Quelle finden Sie mit einem Spiegel. Jemand sitzt am Hörplatz, Sie führen den Spiegel die Wand entlang. Wo die Quelle im Spiegel erscheint, gehört die Fläche hin. Die zweite Grenze ist die Raumgröße. Unterhalb einer Grenzfrequenz reagiert ein Raum auf einzelne Raummoden. Im Wohnzimmer oben liegt sie bei rund 250 Hz. Darunter ist die Rechnung eine Orientierung, keine Vorhersage.
Was wenig oder nichts bringt
- Absorber gegen Nachbarlärm: Sie verändern den Schall im eigenen Raum. Gegen Schall durch Wand und Decke hilft nur Schalldämmung, also Masse oder ein mehrschaliger Aufbau.
- Dünne Aufbauten gegen tiefe Töne: Wenige Zentimeter schlucken die Höhen und lassen 125 und 250 Hz fast unverändert.
- Geschlossenzellige Dämmplatten: Ohne offene Poren dringt die Luft nicht ein, ohne Reibung gibt es keine Absorption.
- Ein Anstrich auf porösen Absorbern: Er schließt die Poren und mindert die Wirkung.
- Ein Teppich als einzige Maßnahme: Teppich wirkt im Wesentlichen in den Höhen. Im Wohnzimmer oben senken 6 m² Teppich die Nachhallzeit bei 500 Hz von 2,53 auf 2,18 Sekunden, bei 125 Hz gar nicht.
- Topfpflanzen und Deko: Geprüfte Absorptionsgrade gibt es dafür nicht, sie lassen sich nicht in die Rechnung einsetzen.
Wenn Teppich, Vorhang und Bohren ausscheiden
Manchmal scheiden Teppich, Vorhang und Bohren aus. Dann zählt, was frei steht oder nur gehängt wird. Eine Stellwand erreicht bei 250 Hz 0,36 und bei 1000 Hz 0,95, bezogen auf ihre Fläche. Frei im Raum wirkt sie beidseitig. Ein gefülltes Bücherregal wird mit 0,35 im Mittel über 250 bis 2000 Hz angesetzt. Ein einzelnes Stück verändert einen Raum nicht.
Welcher Raum welchen Zielwert hat
In der Wohnung entscheidet der eigene Eindruck, eine Vorgabe gibt es nicht. In Arbeits- und Bildungsräumen steht der Wert in einer Regel. Dann zählt nicht der Eindruck, sondern die Zahl je Oktavband.
| Raum | Vorgabe | Wert | Fundstelle |
|---|---|---|---|
| Wohnzimmer, Schlafzimmer | keine | kein Zielwert | DIN 18041 führt Wohnräume nicht auf |
| Arbeitszimmer in der Wohnung | keine | für den Raum selbst gibt es keinen Zielwert | DIN 18041 führt Wohnräume nicht auf |
| Einzel- und Zweipersonenbüro | ja | höchstens 0,8 s | ASR A3.7, 5.2.1 |
| Mehrpersonen- und Großraumbüro | ja | höchstens 0,6 s | ASR A3.7, 5.2.1 |
| Callcenter | ja | höchstens 0,5 s | ASR A3.7, 5.2.1 |
| Gruppenraum in der Kita, Klassenraum | ja | je nach Volumen etwa 0,4 bis 0,6 s | ASR A3.7, 5.2.2 |
| Kantine, Empfang, Werkstatt, Verkaufsraum | ja | mittlerer Absorptionsgrad mindestens 0,3 | ASR A3.7, 5.2.3 |
| Flur, Foyer, Bewegungsraum | Orientierung | Absorptionsfläche je Kubikmeter statt Nachhallzeit | DIN 18041, Raumgruppe B |
Die Bürowerte nach 5.2.1 gelten je Oktavband von 250 bis 2000 Hz im unbesetzten Raum. Für Bildungsstätten nennt ASR A3.7 in 5.2.2 eine eigene Formel für den besetzten Raum: T = 0,32 · lg(V) − 0,17 s, Toleranz plus/minus 20 Prozent. Sie ergibt denselben Wert wie die Raumgruppe A3 der DIN 18041. Der mittlere Absorptionsgrad nach 5.2.3 gilt für den eingerichteten Raum, gemittelt über 250, 500, 1000 und 2000 Hz. Die Werte der Raumgruppe B sind Orientierungswerte.
Wann ein Raum einen Nachweis braucht
- Arbeitsstätten einrichten, wesentlich erweitern oder umbauen: Die ASR A3.7 verlangt in Abschnitt 6, die raumakustischen Anforderungen schon in der Planung zu berücksichtigen.
- Beschwerden über Halligkeit oder schlechte Sprachverständlichkeit: Nach ASR A3.7 Abschnitt 7 Absatz 1 sind dann weitere Ermittlungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nötig. Abschnitt 7.1 beschreibt die lärmbezogene Arbeitsplatzbegehung, 7.2 die rechnerische Abschätzung für bestehende Arbeitsstätten, 7.3 die Messung als Alternative dazu.
- Kita: Die DGUV Vorschrift 82 verlangt in § 6, bau- und raumakustische Anforderungen entsprechend der Nutzung einzuhalten. Im Bestand greift das nach § 30 Absatz 2 bei wesentlicher Erweiterung, wesentlichem Umbau, wesentlicher Nutzungsänderung oder konkreter Gefährdung.
- Kita in Planung oder Sanierung: Die Unfallkasse NRW nennt dafür fachkundige Berechnungen und/oder Messungen, im besetzten wie im unbesetzten Zustand.
- Wenn eine Ausschreibung, ein Förderprogramm oder ein Bauherr den Nachweis ausdrücklich verlangt.
Wo eine Regel gilt, reicht der Höreindruck nicht. Ein Raumakustik-Gutachten hält je Raum fest, welche Regel gilt, wie der Raum heute rechnet und welche Absorptionsfläche je Oktavband fehlt. Bei Camber Acoustics entsteht es aus Plänen, Fotos und Angaben. Es kostet 700 € netto für einen Raum und 300 € netto je weiterem Raum. Sie bekommen es in unter sieben Tagen. Ein Ingenieur erstellt und unterschreibt es.
Häufige Fragen
- Warum hallt mein Zimmer, obwohl Möbel drin stehen?
- Möbel bringen wenig Fläche mit hohem Absorptionsgrad mit. Es zählt die absorbierende Fläche im Verhältnis zum Raumvolumen, nicht die Zahl der Möbel. Am stärksten hallt eine leere oder neu bezogene Wohnung.
- Was tun, wenn es im Wohnzimmer hallt?
- Zuerst Fläche über der Sitzgruppe, also Deckensegel oder Akustikbilder. Dann ein schwerer geraffter Vorhang über die ganze Fensterfront. Dann ein großer Teppich. In einem Wohnzimmer mit 52 m³ bringt Teppich allein 2,53 auf 2,18 Sekunden bei 500 Hz. Mit Vorhang und 8 m² Deckensegel sind es 0,79 Sekunden.
- Bringen Akustikpaneele überhaupt etwas?
- Ja, wenn Fläche, Dicke und geprüfter Absorptionsgrad stimmen. Zwei Paneele verändern einen Raum nicht, acht Quadratmeter schon. Eine geschlossene Holzlamelle ohne poröse Schicht dahinter wirkt kaum. Sie streut den Schall, statt ihn zu schlucken.
- Wie viele Akustikpaneele brauche ich für meinen Raum?
- Das folgt aus Volumen, Höhe und Zielwert, nicht aus einer Prozentregel. Nötig sind A = 0,163 · Volumen / Zielzeit an äquivalenter Absorptionsfläche. Davon liefern Boden, Fenster, Möbel und Textilien schon einen Teil. Der Rest geteilt durch die Differenz aus neuem und altem Absorptionsgrad ergibt die Fläche, je Oktavband gerechnet. Ein Absorber ersetzt die Fläche, vor der er hängt.
- Gehören die Absorber an die Decke oder an die Wand?
- An beides. Die Decke wirkt gegen den allgemeinen Nachhall, Flächen an den Wänden in Kopfhöhe gegen Flatterechos. Sitzt alles in der Decke, fällt die gemessene Nachhallzeit oft länger aus als die gerechnete. DIN 18041 knüpft die einfache Rechnung daran, dass sich der mittlere Absorptionsgrad zwischen den Raumrichtungen um höchstens den Faktor 3 unterscheidet.
- Helfen Akustikpaneele gegen Lärm vom Nachbarn?
- Nein. Absorber verändern den Schall im eigenen Raum, nicht den Schall, der durch Wand und Decke kommt. Dagegen hilft Schalldämmung, und die braucht Masse oder einen mehrschaligen Aufbau.
- Was hilft gegen Hall in der Mietwohnung, ohne zu bohren?
- Schwere Vorhänge mit Abstand zur Wand und Faltenwurf, freistehende Stellwände und gefüllte Bücherregale. Ein schwerer geraffter Vorhang erreicht bei 250 Hz 0,35, ein leichter glatt an der Wand nur 0,15. Eine Stellwand liegt bei 1000 Hz bei 0,95.
- Mein Homeoffice klingt im Videocall hallig. Was hilft?
- Der kürzeste Weg ist der Abstand. Mikrofon nah an den Mund, Sitzplatz nicht in die Raumecke. Dazu absorbierende Fläche in Sprechrichtung und an der Wand im Rücken. Zwei bis drei Quadratmeter an der richtigen Stelle hören Sie im Mikrofon deutlich.
- Reichen Fotos und Maße, oder muss jemand messen kommen?
- Für die Berechnung reichen Geometrie, Oberflächen und Einrichtung. Gemessen wird, wenn die Aufbauten unbekannt sind oder wenn nach dem Einbau eine Abnahme verlangt wird. Bei Camber Acoustics entsteht das Gutachten aus den Unterlagen. Eine Messung vor Ort bieten wir als eigene Leistung an.
Quellen
- DIN 18041:2016-03 „Hörsamkeit in Räumen“, DIN Media
- ASR A3.7 „Lärm“, Ausgabe März 2021, Volltext (Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin)
- DGUV Information 215-443 „Akustik im Büro“, Tabelle 3
- DGUV Vorschrift 82 „Kindertageseinrichtungen“
- Unfallkasse NRW: Bau- und Raumakustik in Kindertageseinrichtungen
- Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Bericht B-BA 2/2018: Akustische Gestaltung von Sporthallen
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