Schule

Raumakustik in der Schule: Nachhallzeit für Klassenraum, Aula, Mensa und Sporthalle

Ein Klassenraum mit 200 m³ soll nach DIN 18041 eine Nachhallzeit von 0,57 Sekunden haben, für inklusiven Unterricht 0,46 Sekunden. Im Neubau ist die strengere Auslegung sinnvoll, denn öffentlich zugängliche Neubauten sind inklusiv zu errichten. Unbehandelte Klassenräume liegen bei 1,0 bis 1,5 Sekunden. Für Aula, Musikraum, Mensa und Sporthalle gelten eigene Werte. Schulträger sind über die ASR A3.7 und die DGUV Regel 102-601 in der Pflicht.

Camber Acoustics, Ingenieurbüro für Raum- und Bauakustik · Stand 8. Oktober 2026

Im Klassenzimmer hallt es: was tun, wer hilft?

Zuständig ist der Schulträger, meist Stadt, Gemeinde oder Landkreis. Eltern und Lehrkräfte wenden sich an die Schulleitung, die den Träger einschaltet. Ein Klassenzimmer mit 200 m³ soll nach DIN 18041 bei 0,57 Sekunden liegen, für inklusiven Unterricht bei 0,46 Sekunden. Oft reicht eine Akustikdecke mit Abstand zur Rohdecke. Wie viel Fläche nötig ist, berechnet ein Akustikberater.

Volumen des KlassenzimmersA3A4 (inklusiv)
150 m³0,53 s0,43 s
180 m³0,55 s0,45 s
200 m³0,57 s0,46 s
250 m³0,60 s0,48 s
300 m³0,62 s0,50 s

Soll-Nachhallzeit nach den Formeln der DIN 18041:2016-03 für den besetzten Raum, Toleranz 80 bis 120 Prozent zwischen 250 und 2000 Hz. A3 entspricht ASR A3.7, Abschnitt 5.2.2.

Welche Regeln gelten

Sollwerte für typische Schulräume

RaumVolumenRaumgruppeSoll-Nachhallzeit
Klassenraum200 m³A4 (inklusiv)0,46 s
Klassenraum200 m³A30,57 s
Fachraum, Werkraum mit Unterricht300 m³A30,62 s
Musikraum300 m³A11,18 s
Aula800 m³A20,93 s
Sporthalle (Einfachhalle)2.835 m³A51,59 s
Mensa, SpeiseraumbeliebigB5A/V ≥ 0,30 1/m bis 2,50 m Höhe, entspricht etwa 0,55 s
Flur, PausenhallebeliebigB3A/V ≥ 0,20 1/m bis 2,50 m Höhe

Werte nach den Formeln der DIN 18041:2016-03, gerundet, bezogen auf 80 Prozent Besetzung. Erlaubt ist ein Band von 80 bis 120 Prozent zwischen 250 und 2000 Hz.

Warum Klassenräume so empfindlich sind

Sprache muss im Klassenraum 10 bis 15 Dezibel über dem Grundgeräusch liegen, damit sie sicher verstanden wird. Hall verwischt Silben und hebt den Grundpegel, weil alle lauter sprechen. Kinder verstehen unter Hall deutlich schlechter als Erwachsene, Kinder mit Hörminderung oder anderer Muttersprache noch einmal schlechter. Lehrkräfte sprechen in halligen Räumen den ganzen Tag gegen den Pegel an; Stimmprobleme sind die Folge. Deshalb liegt der Sollwert für Unterrichtsräume so niedrig, und deshalb wird je Oktavband nachgewiesen: Ein Raum, der in den Mitten stimmt und bei 125 Hz hallt, klingt dumpf und laut.

Maßnahmen, die in Schulen funktionieren

Aula, Musikraum, Mensa, Sporthalle

Die Aula braucht mit A2 mehr Nachhall als ein Klassenraum, aber eine Geometrie, die Sprache von der Bühne trägt. Hier zählen neben der Nachhallzeit die Reflexionen zu den hinteren Reihen. Der Musikraum liegt mit A1 bewusst höher, damit Klang entsteht, und braucht trotzdem Absorption gegen den Pegel beim Ensemblespiel. Die Mensa fällt in Gruppe B5, weil dort viele gleichzeitig sprechen. Die Anforderung ist ein Verhältnis von Absorptionsfläche zu Volumen, das umgerechnet etwa 0,55 Sekunden entspricht. Die Sporthalle hat mit A5 eigene Werte und eigene Regeln für ballwurfsichere Absorber, dazu gibt es eine eigene Seite.

Flure und Treppenhäuser in der Schule: wie viel Absorption?

Flure und Treppenhäuser tragen den Lärm durchs ganze Haus. Die DGUV Regel 102-601 nennt Schallabsorber als Mittel, um die Nachhallzeit dort zu begrenzen. Für Pausenhallen, Aulen und Flure verlangt sie eine gute raumakustische Gestaltung. Der Berliner Leitfaden für den Schulneubau sagt ausdrücklich, dass auch Erschließungsflächen und Treppenhäuser zu betrachten sind.

DIN 18041 nennt Verkehrsflächen in Schulen und Kitas als Beispiel für die Raumgruppe B3. Spielflure und Umkleiden in Schulen und Kitas stehen unter B5, der strengsten Stufe. Für beide gibt die Norm Richtwerte für die Absorption. Wie ein Flur eingestuft wird, hängt von seiner Nutzung ab und gehört begründet ins Gutachten.

Nutzung des FlursRaumgruppeA/V bei 3 m HöheNötige Absorptionsfläche
Verkehrsfläche der SchuleB3≥ 0,19 1/m56 m²
SpielflurB5≥ 0,27 1/m81 m²

Beispiel: Flur 40 m lang, 2,50 m breit, 3,00 m hoch, also 300 m³ und 100 m² Decke. Äquivalente Absorptionsfläche nach den Formeln der DIN 18041:2016-03, je Oktavband von 250 bis 2000 Hz, gerundet. Beim Spielflur muss die Decke also fast vollflächig hoch absorbieren, oder es kommen Wandabsorber dazu.

Im Treppenhaus kommt der Brandschutz dazu. Ist es ein notwendiger Treppenraum, gilt die Bauordnung des Landes. In Brandenburg verlangt § 35 Absatz 5 BbgBO dort Bekleidungen und Unterdecken aus nichtbrennbaren Baustoffen. Das schränkt die Wahl der Absorber ein.

Offene Lernlandschaften und Cluster: welche Akustik gilt?

Viele neue Schulen arbeiten mit Clustern und offenen Lernlandschaften. In Berlin ist das Compartment beim Neubau das Ziel. DIN 18041 führt solche Bereiche nicht als eigene Raumart. Die Broschüre „Akustik im Schulbau“ von Montag Stiftung, BDA und VBE sieht sie nah an den Gruppen B4 und B5. Eine Mindestabsorption allein reicht dort aber nicht.

Die Aufgabe ist doppelt. In jeder Lerngruppe soll Sprache gut ankommen. Zwischen den Gruppen soll möglichst wenig stören. Geschlossene Räume im Cluster, etwa Differenzierungs- und Teamräume, werden nach DIN 18041 und ASR A3.7 ausgelegt. Für die offenen Bereiche verlangen die meisten der in der Broschüre ausgewerteten ausländischen Regelwerke höchstens 0,4 Sekunden Nachhallzeit.

Raumakustik, Möblierung und Licht plant man hier am besten zusammen. Das empfiehlt auch die Broschüre. Camber Acoustics legt dafür Absorberflächen, Abschirmungen und Zonen je Bereich fest.

Die Mensa ist zu laut: was gilt, was hilft?

DIN 18041 nennt Speiseräume in Schulen und Kitas als Beispiel für die Raumgruppe B5. Das ist die strengste Stufe der Gruppe B. Bis 2,50 m Raumhöhe empfiehlt sie ein A/V von mindestens 0,30 je Meter, in höheren Räumen etwas weniger.

Ein Beispiel: Eine Mensa mit 200 m² und 3,50 m Höhe hat 700 m³. Nötig sind A/V ≥ 0,249 je Meter, also rund 174 m² äquivalente Absorptionsfläche je Oktavband von 250 bis 2000 Hz. Das sind 87 Prozent der Deckenfläche, selbst bei einem Material, das allen Schall schluckt. Eine Akustikdecke allein reicht damit nur knapp. Wandabsorber über Tischhöhe schaffen Reserve.

Die DGUV Regel 102-601 empfiehlt für die Schulverpflegung eine geräuschhemmende, pflegeleichte Ausstattung und geringe Pegel durch raumakustische Maßnahmen wie Zonierung oder Abtrennung. Viele Mensen sind heute auch Treffpunkt und Lernort. Dann muss die Akustik je Zone bewertet werden.

Der Nachweis für Schulträger

Für jeden Raum: Einstufung nach DIN 18041 mit Begründung, Sollwert mit Herleitung, Ist-Zustand je Oktavband, Absorptionsbedarf, Maßnahmen mit Mengen und Platzierung, Nachweis, dass alle Bänder im Toleranzband liegen. Prüffähig aufgebaut für Unfallkasse, Bauamt und Fördergeber. Camber Acoustics erstellt den Nachweis aus Grundrissen und Fotos. Das Angebot kommt am selben Tag. Was ein Gutachten kostet, steht auf unserer Kostenseite.

Für neue Berliner Schulen verlangt die Schulbauoffensive eine qualifizierte Akustikberatung und den Nachweis nach DIN 18041, belegt durch Messung. Mehr dazu auf unserer Seite Raumakustik in Berlin.

Ob ein Förderprogramm Akustikmaßnahmen in Schulen trägt, hängt von Land und Programm ab. Einen Überblick gibt unsere Seite zur Förderung der Raumakustik.

Häufige Fragen

Welche Nachhallzeit gilt im Klassenzimmer?
Nach DIN 18041 für einen Klassenraum mit 200 m³ 0,57 Sekunden in Raumgruppe A3 und 0,46 Sekunden in A4 für inklusiven Unterricht. Erlaubt ist ein Band von 80 bis 120 Prozent zwischen 250 und 2000 Hz. Die ASR A3.7 macht den Wert nach A3 für die Schule als Arbeitsstätte verbindlich.
A3 oder A4: Was gilt für unsere Schule?
Für Neubauten A4. Öffentlich zugängliche Neubauten sind inklusiv zu errichten, darauf weist die ASR A3.7 in Abschnitt 5.2.2 hin. Die DGUV Regel 102-601 nennt für Kinder mit Hörminderung oder Unterricht in einer Sprache, die nicht Muttersprache ist, 0,4 bis 0,5 Sekunden. A3 bleibt der Maßstab für bestehende Räume. Das Gutachten begründet die Einstufung je Raum.
Ist die Schule verpflichtet, etwas zu tun?
Bei Neubau und Umbau ist die Raumakustik zu planen (ASR A3.7, Abschnitt 6). Im Bestand lösen Beschwerden von Lehrkräften eine Ermittlungspflicht aus (Abschnitt 7). Die Unfallkasse prüft die Raumakustik im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung.
Reicht eine Akustikdecke im Klassenraum?
Meist ja, wenn Fläche, Absorberklasse und Abstand zur Rohdecke stimmen. Ob sie reicht, zeigt die Rechnung je Oktavband, besonders bei 125 und 250 Hz. Die Rückwand kommt oft dazu.
Können Sie alle Räume einer Schule in einem Gutachten bearbeiten?
Ja, bis dreißig Räume je Projekt. Klassenräume, Fachräume, Aula, Mensa und Sporthalle werden jeweils nach ihrer Raumgruppe ausgelegt und in einem Dokument nachgewiesen.
Welche Akustik braucht eine Schulmensa?
DIN 18041 ordnet Speiseräume in Schulen der Raumgruppe B5 zu. Bis 2,50 m Höhe heißt das: mindestens 0,30 m² äquivalente Absorptionsfläche je Kubikmeter. Eine Mensa mit 200 m² und 3,50 m Höhe braucht rund 174 m². Dazu kommen Zonen und Abtrennungen, wie sie die DGUV Regel 102-601 empfiehlt.
Gilt DIN 18041 auch für offene Lernlandschaften?
Nicht als eigene Raumart. Geschlossene Räume im Cluster werden nach DIN 18041 und ASR A3.7 ausgelegt. Für die offenen Bereiche nennen die meisten ausländischen Regelwerke höchstens 0,4 Sekunden Nachhallzeit. Dazu kommen Abschirmungen zwischen den Zonen und abtrennbare Räume, damit Gruppen sich nicht gegenseitig stören.

Quellen

Raumakustik-Gutachten

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