Saalakustik
Akustik in Kirchen und Sälen: was Musik und Sprache brauchen
Musik braucht in Kirche und Saal mehr Nachhall als Sprache. Für Sprache gilt etwa 1 Sekunde als gut, für sinfonische Musik etwa 2 Sekunden. Große Kirchen liegen leer oft weit darüber. Kirchen, Konzertsäle und Theater behandelt die DIN 18041 ausdrücklich nicht. Die Ziele legt man deshalb je Raum und Nutzung fest, gestützt auf Messung und Simulation.
Camber Acoustics, Ingenieurbüro für Raum- und Bauakustik · Stand 7. Oktober 2026
Was Sprache und Musik im selben Raum brauchen
Sprache lebt von klaren Silben. Zu viel Nachhall überlagert den Direktschall und verwischt die Konsonanten. Die Predigt wird dann schwer verständlich. Musik dagegen braucht Nachhall. Er verbindet die Töne und gibt Orgel und Chor ihre Fülle. Für Orgelmusik liegt das Optimum höher als für Sinfonik, für Kammermusik niedriger. Musicals und Popkonzerte brauchen besonders kurze Nachhallzeiten. Auch Musik verliert in einem zu halligen Raum an Klarheit, vor allem bei schnellen Stücken.
Camber Acoustics plant die Akustik von Konzertsälen, Opern, Theatern und Kirchen gemeinsam mit unserem Partner Prof. Dr. Stefan Weinzierl. Er leitet das Fachgebiet Audiokommunikation der TU Berlin und berät als Raumakustiker beim Bau von Theatern und Konzertsälen.
Welche Nachhallzeit braucht eine Kirche?
Für Kirchen gibt es keine Norm mit festen Werten. Auch die DIN 18041 nimmt Sakralräume aus. Beurteilt wird meist im Vergleich mit anderen Kirchen. In großen Kirchen erwarten die Menschen einen vollen, getragenen Klang mit langem Nachhall. Absorber, die den Nachhall senken, sind dort deshalb unüblich.
Wie lang der Nachhall ist, hängt stark von der Besetzung ab. Ein veröffentlichtes Beispiel ist die St.-Hedwig-Kathedrale in Berlin, vorgestellt auf den Bauphysiktagen Weimar 2024. Dort ergab die Simulation nach der Sanierung bei 500 Hz rund 9 Sekunden im leeren Raum und rund 7 Sekunden mit besetztem Gestühl. Ein Ziel gilt deshalb immer für eine bestimmte Besetzung.
Nachhallzeit für Musik: Raumgruppe A1 der DIN 18041
Für kleinere Musikräume von 30 bis 1.000 m³ nennt die DIN 18041 eine Soll-Nachhallzeit, die Raumgruppe A1. Ihre Empfehlungen lassen sich sinngemäß auch auf Räume für allgemeine Musikdarbietungen anwenden, etwa eine Kapelle, die als Konzertraum dient. Die Tabelle stellt A1 die Raumgruppe A2 für Sprache gegenüber.
| Raumvolumen | Musik (A1) | Toleranzband A1, 250 bis 2000 Hz | Sprache (A2) |
|---|---|---|---|
| 200 m³ | 1,11 s | 0,89 bis 1,33 s | 0,71 s |
| 400 m³ | 1,24 s | 0,99 bis 1,49 s | 0,82 s |
| 600 m³ | 1,32 s | 1,06 bis 1,58 s | 0,89 s |
| 800 m³ | 1,38 s | 1,10 bis 1,66 s | 0,93 s |
| 1.000 m³ | 1,42 s | 1,14 bis 1,70 s | 0,97 s |
DIN 18041:2016-03, A1 für 30 bis 1.000 m³: T = 0,45 · lg(V) + 0,07 s, A2: T = 0,37 · lg(V) − 0,14 s, V in m³. Sollwerte für 80 Prozent Besetzung, Toleranzband 80 bis 120 Prozent des Sollwerts.
Der Abstand zeigt das Grundproblem. Ein Raum mit 1.000 m³ soll für Musik 1,42 Sekunden nachhallen, für Sprache 0,97 Sekunden. Beides zugleich geht nicht. Wer den Raum für beides nutzt, wählt einen Zwischenwert nach der Hauptnutzung oder eine veränderbare Akustik.
Welche Kenngrößen zählen in Konzertsaal und Theater?
Die Nachhallzeit allein beschreibt einen Saal nicht. Die DIN EN ISO 3382-1 legt fest, wie man in Aufführungsräumen weitere Kenngrößen misst. Im Sprechtheater steht die Sprache vorn, in der Oper zählen Stimme und Orchester zugleich.
| Kenngröße | Was sie beschreibt | Wichtig für |
|---|---|---|
| Nachhallzeit T30 | Abklingen des Schalls, ausgewertet zwischen −5 und −35 dB | Sprache und Musik |
| Early Decay Time EDT | Abfall in den ersten 10 dB, entspricht dem gehörten Eindruck von Halligkeit | Musik |
| Klarheitsmaß C80 | Schallenergie der ersten 80 ms im Verhältnis zur späteren Energie, in dB | Musik: ob Stimmen und Instrumente durchhörbar bleiben |
| Deutlichkeit D50 | Anteil der Energie der ersten 50 ms an der gesamten Energie, über 50 Prozent gilt als gut | Sprache |
| Stärkemaß G | wie stark der Raum den Schall durch Reflexionen verstärkt, in dB | Musik: Lautheit im Saal |
| Sprachübertragungsindex STI | Verständlichkeit auf einer Skala von 0 bis 1 | Sprache, auch über Lautsprecher |
Messung nach DIN EN ISO 3382-1, STI nach DIN EN IEC 60268-16, Beschreibungen nach Universität Wien. Für Kirchen gibt es für C80 und die anderen raumakustischen Größen keine allgemein gültigen Zielwerte.
Messung und Simulation im Saal
Im Bestand beginnt die Arbeit mit einer Messung nach DIN EN ISO 3382-1. Ein Lautsprecher sendet ein Messsignal, Mikrofone an mehreren Plätzen zeichnen die Antwort des Raums auf. Daraus folgen die Kenngrößen je Platz und Oktavband. Messungen vor Ort bieten wir als gesondertes Angebot an.
Für die Planung braucht es eine Simulation. Sie rechnet die Kenngrößen für die Plätze im Saal, auch im besetzten Raum, und vergleicht Varianten, bevor gebaut wird.
Akustik in der Kirche verbessern, auch im Denkmal
Viele Kirchen und Theater sind Baudenkmale. In Berlin darf man ein Denkmal nach § 11 des Denkmalschutzgesetzes nur mit Genehmigung der unteren Denkmalschutzbehörde in seinem Erscheinungsbild verändern. Auch die Innenausstattung kann zum Denkmal gehören. Deckensegel, große Absorberflächen und Reflektoren, wie sie im Konzertsaal üblich sind, scheiden bei der Sanierung von Kirchen meist aus.
- Polster und Sitzkissen auf dem Gestühl: Sie gleichen leeren und vollen Raum an und kommen ohne Eingriff in Boden, Wand und Decke aus.
- Die Sprache über eine gerichtete Lautsprecheranlage lösen, statt den Nachhall zu senken, den Orgel und Chor brauchen.
- Jede Maßnahme früh mit Denkmalpflege, Kirchenmusik und Nutzern abstimmen.
Sprachverständlichkeit in der Kirche
In halligen Kirchen ist natürliche Sprache ab einer gewissen Entfernung schwer zu verstehen. Für Gottesdienste braucht es dort in der Regel eine Lautsprecheranlage. Sie richtet den Schall gebündelt auf die Bänke und regt Wände und Gewölbe möglichst wenig an. Der Sprachübertragungsindex STI soll dabei nicht unter 0,45 bis 0,5 liegen.
Beschallungsanlagen planen wir nicht, das übernimmt ein Fachplaner für Elektroakustik. Wir liefern ihm Nachhallzeiten je Oktavband, Messdaten und ein abgestimmtes Ziel für den Raum.
Referenzen: Oper, Theater, Kirchen
Die folgenden Projekte hat Prof. Dr. Stefan Weinzierl als akustischer Berater betreut. Es sind seine Projekte, keine Aufträge der Camber Acoustics GmbH.
| Projekt | Ort, Jahr | Auftraggeber | Leistung |
|---|---|---|---|
| Orchesterprobensaal der Deutschen Oper | Berlin, 2025 | Stiftung Oper in Berlin | Messung der Raumakustik, Gutachten mit Maßnahmen |
| Johanniskapelle | Bamberg, 2025 | Kulturraum St. Johannis | Messung nach DIN EN ISO 3382-1, Bewertung nach DIN 18041, Simulation des besetzten Raums |
| Landestheater Coburg, Generalsanierung | Coburg, 2024/25 | Staatliches Bauamt Bamberg | Beratung des Bauherrn bei der Vergabe der Akustikplanung |
| Jesus-Christus-Kirche | Berlin-Dahlem, 2020/21 | Ev. Kirchengemeinde Dahlem | Akustisches Gutachten zur Sanierung, mit Messung und rechnerischem Nachweis |
| Staatstheater Augsburg, Sanierung | Augsburg, 2020 | Stadt Augsburg | Beratung des Bauherrn bei der Vergabe der Akustikplanung |
Projekte von Prof. Dr. Stefan Weinzierl, Partner von Camber Acoustics, als akustischer Berater. Vertragspartner war jeweils Prof. Weinzierl oder die TU Berlin.
Was wir für Kirchen und Säle tun
- Ziele mit den Nutzern festlegen: Anteil von Sprache und Musik, Besetzung, Orgel und Chor.
- Den Bestand messen und den Raum simulieren, auch im besetzten Zustand.
- Maßnahmen planen, abgestimmt mit der Denkmalpflege, und produktneutrale Texte für die Ausschreibung schreiben.
- Bauherren bei der Vergabe der Akustikplanung beraten.
Architekturbüros begleiten wir mit unserer Planungsbegleitung, von der Grundlagenermittlung bis zur Abnahme.
Das Angebot richtet sich nach Umfang und Raum. Schicken Sie Pläne, Fotos und eine kurze Beschreibung der Nutzung über das Anfrageformular.
Häufige Fragen
- Welche Nachhallzeit ist in einer Kirche gut?
- Eine feste Zahl gibt es nicht, denn für Kirchen besteht keine Norm mit Sollwerten. Als Orientierung gelten etwa 1 Sekunde für Sprache und etwa 2 Sekunden für sinfonische Musik, für Orgelmusik mehr. Das Ziel hängt von Nutzung, Volumen und Besetzung ab.
- Warum versteht man die Predigt in unserer Kirche so schlecht?
- Meist ist der Nachhall zu lang. Er überlagert den Direktschall und verwischt die Konsonanten. In großen Kirchen hilft weniger die Absorption als eine gute Lautsprecheranlage, die den Schall gebündelt auf die Bänke richtet. Eine Messung zeigt, wie groß das Problem ist.
- Gilt die DIN 18041 für Kirchen und Konzertsäle?
- Nein. Die Norm nimmt Sakralräume, Theater, Konzertsäle und Kinos ausdrücklich aus und ist für Räume bis etwa 5.000 m³ gedacht. Auf Räume für allgemeine Musikdarbietungen und Mehrzweckräume lassen sich ihre Empfehlungen sinngemäß anwenden. Die Raumgruppe A1 für Musik reicht bis 1.000 m³.
- Dürfen wir in einer denkmalgeschützten Kirche Akustikmaßnahmen einbauen?
- Meist nur mit Genehmigung. In Berlin verlangt § 11 des Denkmalschutzgesetzes sie für Veränderungen am Erscheinungsbild des Denkmals. Auch die Innenausstattung kann dazugehören. Es bieten sich Lösungen an, die ohne Eingriff in Boden, Wand und Decke auskommen, etwa Sitzkissen auf dem Gestühl.
- Planen Sie auch die Beschallungsanlage?
- Nein. Die Lautsprecheranlage plant ein Fachplaner für Elektroakustik. Wir liefern ihm die raumakustischen Grundlagen: gemessene oder simulierte Nachhallzeiten, ein Ziel für den Raum und Hinweise, welche Flächen kritisch sind. So passen Raum und Anlage zusammen.
- Was kostet ein Akustikgutachten für eine Kirche oder einen Saal?
- Das hängt von Größe, Fragestellung und Messaufwand ab. Saalakustik bieten wir deshalb nach Umfang an, gemeinsam mit unserem Partner. Schicken Sie Pläne, Fotos und eine kurze Beschreibung der Nutzung. Die Anfrage ist kostenlos und unverbindlich.
Quellen
- DIN 18041:2016-03 „Hörsamkeit in Räumen“, Anwendungsbereich, DIN Media
- DIN EN ISO 3382-1:2009-10 „Messung von Parametern der Raumakustik, Teil 1: Aufführungsräume“, DIN Media
- Universität Wien, Institut für Musikwissenschaft: SInES Raumakustik-Tool, Beschreibung der Kenngrößen
- Bauphysiktage Weimar 2024, Beitrag 07B2: „Raumakustik und Beschallungskonzepte in der St. Hedwig-Kathedrale Berlin“
- Baunetz Wissen: Optimale Nachhallzeiten
- Landesdenkmalamt Berlin: Antrag auf denkmalrechtliche Genehmigung nach § 11 DSchG Bln
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Angebot nach Umfang, gemeinsam mit unserem Partner Prof. Dr. Stefan Weinzierl.
Anfrage unverbindlich und kostenlos. Schicken Sie Pläne, Fotos und eine kurze Beschreibung der Nutzung. Termin vor Ort, wenn gewünscht.
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