Nachweis
Nachhallzeit messen oder berechnen? Wann welche Methode reicht
Für Planung und Nachweis nach DIN 18041 und ASR A3.7 reicht die Berechnung aus Volumen und Oberflächen. Die ASR A3.7 nennt sie in Abschnitt 7.2 als ersten Weg, die Unfallversicherer akzeptieren sie. Die Messung nach DIN EN ISO 3382-2 zeigt den Ist-Zustand eines fertigen Raums. Sie ist das Mittel für die Abnahme, für Bestandsräume mit unbekannten Aufbauten und für den Streitfall. Beides zusammen ist selten nötig.
Camber Acoustics, Ingenieurbüro für Raumakustik · Stand 17. September 2026
Der Unterschied in einer Tabelle
| Berechnung | Messung | |
|---|---|---|
| Regel | DIN EN 12354-6, Sabine oder Eyring, je Oktavband | DIN EN ISO 3382-2, T20 oder T30, je Oktavband |
| Grundlage | Pläne, Fotos, Angaben zu Oberflächen und Einrichtung | Termin im fertigen, eingerichteten Raum |
| Ergebnis | Ist-Zustand, Absorptionsbedarf und Wirkung der Maßnahmen, bevor gebaut wird | Ist-Zustand des Raums am Messtag |
| Geeignet für | Neubau, Umbau, Nachweis nach ASR A3.7 Abschnitt 7.2, Maßnahmenplanung | Abnahme nach Einbau, Bestand mit unbekannten Aufbauten, Beschwerde und Streitfall |
| Grenzen | Unbekannte Oberflächen, sehr ungleich verteilte Absorption, gekoppelte Räume | Sagt nicht, warum der Raum hallt und was zu tun ist; im Neubau gibt es nichts zu messen |
| Dauer | Unter sieben Tagen ab Beauftragung | Anfahrt, Messung, Auswertung, meist ein bis zwei Wochen |
| Preis (Beispiele) | Camber Acoustics: 700 € netto je Gutachten mit einem Raum, 300 € je weiterem, mit Maßnahmen und Mengen | Veröffentlichte Liste eines Büros: 300 € je Raum plus 250 € Bericht, ohne Maßnahmen |
Preise netto. Die Messpreise stammen aus einer veröffentlichten Gebührenliste eines Ingenieurbüros für Bauphysik, Stand November 2025.
Wann die Berechnung reicht
- Neubau und Umbau: Es gibt noch nichts zu messen. Die Norm wird über die Planung erfüllt, DIN 18041 sieht den rechnerischen Nachweis vor.
- Nachweis nach ASR A3.7: Abschnitt 7.2 nennt die rechnerische Abschätzung der Nachhallzeit als ersten Weg. Die Messung nach Abschnitt 7.3 ist die Alternative, keine Pflicht.
- Maßnahmenplanung: Nur die Rechnung sagt, wie viel Absorptionsfläche je Oktavband fehlt und ob die geplante Decke reicht. Eine Messung liefert diese Zahl nicht.
- Unfallkasse und Bauamt: Für Kitas nennt die Unfallkasse NRW fachkundige Berechnungen oder Messungen. Prüffähig ist eine Berechnung, wenn Regelwerk, Eingangswerte und Rechenweg offenliegen.
- Budget: Die Berechnung kostet einen Bruchteil der Maßnahme und spart Anfahrt und Termin.
Wann Sie messen sollten
- Abnahme: Nach dem Einbau belegt eine Messung, dass die gebaute Lösung hält, was die Rechnung versprach. Manche Landesstandards und Verträge fordern sie.
- Bestand mit unbekannten Aufbauten: Wenn niemand weiß, was hinter der Decke oder unter dem Teppich liegt, misst man erst und plant dann.
- Beschwerden und Streit: Gegenüber einem Vermieter oder vor Gericht zählt der gemessene Ist-Zustand.
- Große Hallen mit ungleich verteilter Absorption: In Sporthallen mit absorbierender Decke und harten Wänden liegt die gemessene Nachhallzeit oft deutlich über der statistischen Rechnung. Dort braucht es Messung oder Simulation.
Wie genau die Berechnung ist
Die Rechnung nach Sabine nimmt ein diffuses Schallfeld an: Die Absorption ist gleichmäßig verteilt, der Raum ist nicht extrem flach oder lang. Für Klassenräume, Gruppenräume, Büros und Besprechungsräume trifft das gut zu. Die Eingangswerte entscheiden: Absorptionsgrade aus Hallraummessungen nach DIN EN ISO 354 je Oktavband, nicht der Einzahlwert. Einrichtung und Personen mit belegten Werten. Luftabsorption in großen Räumen. Bei sehr stark absorbierenden Räumen rechnet Eyring genauer als Sabine. Das Toleranzband der DIN 18041 von 80 bis 120 Prozent fängt die übliche Unschärfe auf. In unseren Gutachten steht zu jedem Raum, welche Werte angesetzt wurden und woher sie stammen, damit ein Prüfer die Rechnung nachvollziehen kann.
Wie eine Messung nach DIN EN ISO 3382-2 abläuft
Eine Schallquelle regt den Raum an, meist ein Dodekaeder-Lautsprecher mit Sinus-Sweep oder ein Impuls. Mikrofone zeichnen das Abklingen auf. Ausgewertet wird T20 oder T30, der Abfall um 20 oder 30 Dezibel, hochgerechnet auf 60 Dezibel. Die Norm kennt drei Genauigkeitsstufen: das Kurzverfahren mit einer Quellen- und zwei Mikrofonpositionen, das Standardverfahren mit mindestens zwei Quellenpositionen und sechs Quelle-Mikrofon-Kombinationen und das Präzisionsverfahren mit zwölf Kombinationen. Für einen Nachweis ist das Standardverfahren üblich. Gemessen wird im unbesetzten, aber eingerichteten Raum, je Oktavband von 125 bis 4000 Hz. Der Prüfbericht nennt Raum, Volumen, Zustand, Quelle, Positionen, Geräte, Auswertung und Ergebnisse je Band.
Handy-Apps und Klatschen
Eine App auf dem Smartphone zeigt, ob ein Raum grob hallt. Für einen Nachweis reicht sie nicht: Das Mikrofon ist nicht linear, die Quelle ist nicht definiert, die Positionen sind zufällig, und die tiefen Frequenzen fehlen. Ein Händeklatschen taugt für den ersten Eindruck, für nichts weiter.
Wie Camber arbeitet
Wir rechnen aus Ihren Unterlagen und weisen je Raum und Oktavband nach, ob die Anforderung erfüllt ist und was fehlt. Das Gutachten nennt zusätzlich den Erwartungswert für eine spätere Abnahmemessung im unbesetzten Raum, damit ein Messbüro das Ergebnis direkt vergleichen kann. Wird eine Messung vor Ort gewünscht, etwa zur Abnahme, bieten wir sie als eigene Leistung an.
Häufige Fragen
- Zählt eine Berechnung als Nachweis gegenüber Unfallkasse und Arbeitsschutz?
- Ja. Die ASR A3.7 sieht in Abschnitt 7.2 die rechnerische Abschätzung vor, in Abschnitt 7.3 die Messung. Für Kitas nennt die Unfallkasse NRW fachkundige Berechnungen oder Messungen. Voraussetzung ist ein prüffähiger Aufbau: Regelwerk, Eingangswerte, Rechenweg, Ergebnis je Oktavband.
- Muss der Raum bei einer Messung leer sein?
- Nein. Gemessen wird im eingerichteten, unbesetzten Raum. DIN 18041 bezieht den Sollwert auf 80 Prozent Besetzung. Die Umrechnung zwischen beiden Zuständen steht im Gutachten.
- Wie viele Messpunkte braucht eine Messung?
- Im Standardverfahren nach DIN EN ISO 3382-2 mindestens zwei Quellenpositionen und sechs Quelle-Mikrofon-Kombinationen. Das Kurzverfahren mit zwei Mikrofonpositionen reicht nur für eine Orientierung.
- Kann ich die Nachhallzeit mit dem Handy messen?
- Für einen ersten Eindruck ja, als Nachweis nein. Es fehlen definierte Quelle, lineares Mikrofon, feste Positionen und die tiefen Frequenzen.
- Was kostet eine Messung?
- Eine veröffentlichte Gebührenliste eines Ingenieurbüros (Stand November 2025) nennt 300 € netto je Raum plus 250 € für den Bericht, ohne Maßnahmenkonzept. Bei Camber Acoustics kostet das Gutachten aus Unterlagen 700 € für einen Raum, mit Maßnahmen und Mengen. Eine Messung vor Ort bieten wir zusätzlich an, mit Angebot nach Lage und Zahl der Räume.
- Was, wenn Rechnung und spätere Messung nicht übereinstimmen?
- Dann liegt es fast immer an den Eingangswerten: andere Produkte als geplant, andere Mengen, andere Montage. Deshalb steht im Gutachten, womit gerechnet wurde. Eine Abweichung innerhalb des Toleranzbands ist kein Mangel.
Quellen
- DIN EN ISO 3382-2:2008-09 „Messung von Parametern der Raumakustik, Teil 2: Nachhallzeit in gewöhnlichen Räumen“, DIN Media
- DIN EN 12354-6:2004-04 „Berechnung der akustischen Eigenschaften von Gebäuden, Teil 6: Schallabsorption in Räumen“, DIN Media
- ASR A3.7 „Lärm“, Ausgabe März 2021, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
- DIN 18041:2016-03 „Hörsamkeit in Räumen“, DIN Media
- Schnelle, Zander, Kurz: „Raumakustik in Sporthallen“, DAGA 2012, Deutsche Gesellschaft für Akustik
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